5 Irrtümer übers Campen

Als wir vor 2 Jahren wie die Jungfrau zum Kind zu einem Wohnmobil kamen, waren wir nicht nur stolz, sondern auch voller (Vor)Urteile übers Campen. Hee, immerhin hatten wir schon mal gezeltelt vor … öhm, naja, 13 Jahren ungefähr. Allerdings in geschütztem Rahmen. Sprich: Zelt auf die Wiese vorm Bauernhof einer Freundin, 5 servierte Mahlzeiten inklusive, bei Regen Gästezimmergarantie.

Aber hallo, so viel Unterschied wird da ja nicht sein. Was wir gelernt haben: ganz viele “feste Prinzipien” gleich mal über den Haufen zu werfen. Nämlich solche, die wir uns jahrelang selbst erzählten – zum Beispiel warum wir lieber Hotelurlaube machen.

Weil…

Im Hotel ist es bequemer

Ja? Echt?

Ich schlafe, egal wo ich grad bin, immer in meinem eigenen Bett. Mit meiner Decke, meinem Polster und meiner Umgebung. Keine harten Matratzen, keine zu kleinen Polster, kein Leselicht, das nicht funktioniert. Mein Bett hab ich immer mit, ich brauch bloß noch reinfallen. Und kein Zimmermädchen stört meinen Mittagsschlaf.

Aber im Hotel braucht man keine Betten machen!

Im Womo auch nicht. Außer man will es. Ich will – und ganz ehrlich? Die 30 Sekunden Decken aufschütteln haben mir noch nie den Urlaub versaut.

Im Urlaub koch ich sicher nicht selber!

Diese Überzeugung vertraten wir auch noch beim ersten Wohnmobil – der Gasherd flog raus, dafür hatten wir mehr Arbeitsfläche in der Küche. Im Urlaub soll sich gefälligst jemand anderer ums Kochen und Geschirrabwaschen kümmern. Ich mach das eh das ganze Jahr!

Die erste, die sich für einen Campinggriller und praktische, womogeeignete Kochtöpfe interessierte, war übrigens ich. Mir ging es auf die Nerven, ständig ein Restaurant suchen zu müssen, oder – alternativ – auf die überteuerte Speisekarte auf so manchem Campingplatz zu starren. So ein leckeres Steak, direkt vor der WoMo-Tür gebrutzelt, ist doch was feines. Wir konnten plötzlich essen, WAS wir wollten und WANN wir wollten. Frühstücken bis 11 oder so, kleiner Imbiss um 16:00. Abendessen heut mal früher wegen Abendgestaltung? Kein Problem. Am Nachmittag vom Strand auf einen leckeren Kaffee zurückgehen? Klar, wozu soll man 4€ für einen Cappuccino bezahlen, wenn man den hauseigenen Kaffee in Reichweite hat?

Nach dem ersten kalten Frühfrühlingurlaub ohne Restaurant in Greifnähe war auch der Herd im WoMo eingeweiht – und Dosenfutter ist gar nicht mal so schlecht. Nein, Spaß – am liebsten draußen (gern auch mal Spagetti für 6 Personen, knieend vorm Griller) und mit Spaß für die ganze Familie. Während Mutti nämlich Zwiebel anbrät, kann eine Tochter den Salat schnippeln und die andere den Tisch decken.

Für den Abwasch ist seit Anbeginn Richi zuständig, für den das eine Art meditative Handlung ist, bei der ihn ab und zu die Kinder begleiten dürfen. Was sie mit Begeisterung tun.

Im Womo ist zu wenig Platz für die ganze Familie

Zugegeben, meine beiden Mädels schaffen es kaum, in einem dreigeschossigem Haus nicht aneinander zu geraten. Treffen sie sich zufällig am Gang, muss ich Angst haben, dass der 3. Weltkrieg ausbricht. Weil eine die andere “ansieht”. Oder atmet.

Wir hatten also etwas berechtigte Zweifel, ob das gut gehen würde auf so engem Raum über lange Zeit. Nun, offenbar fahren wir mit zwei fremden Kindern auf Urlaub – sie schlafen im Doppelbett und sind familienfreundlich wie 2 junge Hunde.

Ich weiß, das glaubt mir keiner – aber die beiden sind wie ausgewechselt. Freundlich, hilfsbereit, ihre Aufgaben ohne Murren erledigend. Sie sprechen sogar mit uns!

Natürlich muss man einige Regeln beachten: keiner stört den anderen absichtlich mit zu lauter Musik (das sind meist wir, die die furchtbare Musik zu laut aufdrehen), wenn einer etwas holen will, geht der andere aus dem Weg, feste Plätze oder Anspruch auf Räumlichkeiten gibt es nicht. Was jeder mitnimmt, muss in ein Klappfach passen (oder er muss es unterm Kopfpolster verstecken). Was man benutzt, sollte man tunlichst anschließend wieder wegräumen. Vollgefüllte Esstische wie daheim sind eher unpraktisch, wenn man Hunger hat.

Camper sind gesellige Menschen, mit denen man dauernd feiern muss

Das ist fast der schönste Irrtum, dem wir aufgesessen sind. Auf einem Campingplatz MUSS nämlich niemand irgendetwas. Klar, wenn mir nach Geselligkeit ist, dann finde ich in Sekundenschnelle Anschluß. Dann kann man gemeinsam grillen, Karten spielen oder fachsimpeln über die “doofen” Hotelurlauber, die ein Vermögen für ein Zimmer mit schönem Ausblick zahlen.

Aber niemand muss! Wenn ich meine Nachbarn freundlich grüße und ansonsten keine Anknüpfungsversuche starte, dann lassen sie mich auch in Ruhe. Bei uns stand noch niemand auf der Matte mit einer Bratwurst in der Hand. Wir bleiben gern unter uns, weil wir ohnehin das ganze Jahr wenig Zeit füreinander haben. Das stört aber auch niemanden. Und manchmal plaudern wir halt mit den Leuten.

Wirkliche Gemeinschaft erlebt man bei einem Unwetter, besser gesagt danach. Sobald der Sturm den Platz und sämtliche Vorzelte verwüstet hat, hüpfen alle aus den WoMos und packen mit an, um alles wieder herzurichten. Keine Diskussionen, wer denn jetzt welchen Teil des Zufahrtsweg kehrt oder Gemecker wegen der Verwüstung. Da stehen dann alle mit Badehose und Besen und erzählen sich von noch viel heftigeren Unwettern, die sie erlebt haben. Und haben Spaß.

Auf einem Campingplatz muss man sich die Duschen mit Fremden teilen

Im Hotel auch. Oder weißt du, wer vor dir das Zimmer bewohnte? Man hat nur das Gefühl, man hätte dort sein eigenes Bad. Sauber gemacht werden die Sanitäranlagen auch auf Campingplätzen regelmäßig. Abgesehen davon sind Camper ziemlich reinlich und gehen äußerst pfleglich mit Duschen und WC um – jeder will es schön haben am stillen Örtchen. Und hee! – so eine Familienduschanlage, wo man drei Kammern daneben den Papa noch singen hört und die kleine Tochter plärren, weil sie nicht Haare waschen will – das stärkt den Familiensinn. Bei andern geht es auch nicht anders zu. :-)

Und was, wenn man mal einen “schlechten” Campingplatz erwischt?

Dann passiert das Gleiche, wie wenn man ein schlechtes Hotel erwischt. Entweder man gehört zu den Meckerern, die weiterziehen oder man arrangiert sich mit den Gegebenheiten und genießt seinen Urlaub. So wie wir. Wir haben uns in Cluburlauben nicht an ortsansäßigen “Kleintieren” gestört oder an manchmal merkwürdig anzusehendem vorgesetzten Essen – und beim Campen haben wir noch weniger Zeit zu meckern – da braucht das Entspannen und genießen schon so viel Zeit.

Hast du vorgefestigte Meinungen übers Campen, die ich vielleicht noch ausräumen kann?

Bettina

Wollverkauf |Energetikerin | Autorin | Mama | Ehefrau | stricken, lesen, bloggen, Reisen mit dem Womo

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